Mittwoch, 10. August 2011

Das lustigste zusammen gefasst

Foto: Uwe Hauth




Wenn ich mal den Tag über ein bisschen geknickt bin, dann werfe ich einen Blick in dieses Video. Das funktioniert immer...

Donnerstag, 21. Juli 2011

4D in Warnemünde

Foto: Uwe Hauth

Lieber Leser,

Was für ein Spektakel! Kung Fu Panda in 4D. Als ich mich mit bewegten Bildern anfing zu beschäftigen, da gab es zwar schon den Tonfilm. Farbe war auch schon erfunden. Aber es war nicht mit dem zu vergleichen, was jetzt über unsere Sinne hereinbricht, wenn wir uns mit Spezialbrillen in die weichen Sessel setzen. Früher habe ich die Ecken meiner Schulbücher vercinematisiert. Auf jedes Blatt ein kleines Männchen, das ich jedes Mal ein klein bisschen verändert habe. Daumenkino – so habe ich die uninteressanten Momente meiner polytechnischen Grundausbildung überbrückt.

Die meiste Zeit in der Schule lernt man sowieso Dinge, die man im Leben gar nicht braucht. Das Bruttosozialprodukt von Bulgarien aus dem Jahre 1976 hat mich schon damals so fesselnd inspiriert wie heute die Wettervorhersagen beim Frühstücksfernsehen. Ich hab schließlich eine App. Da schau ich rauf, wenn ich wissen will, ob die Sonne scheint. Und das mache ich, bevor ich aus dem Fenster sehe. So verrückt bin ich schon. Und dass es keine Bulgarische Bruttosozialprodukt-App gibt, liegt einfach daran, dass das niemand braucht. Da hat sich seit 1976 nicht wirklich viel getan.

Im Kino hat der Wahnsinn eine Stufe erreicht, der die Grenzen des technisch machbaren wohl ausgereizt haben muss. Der neue Kung Fu Panda Film ist in allen Bereichen eine Hammerprodiktion. Die Geschichte ist rund und stimmig. Was da an Farbgewitter auf einen einprasselt, reicht aus, um den Rest seiner eigenen Träume für Wochen damit fremdcholorieren zu lassen. Der Sound hätte auch gut zu Piraten der Karibik gepasst, Funktionsmusik im Kino baut halt immer auf die Hörgewohnheiten der gegenwärtigen Trends und blumt selten mit audiblen Überraschungen auf. Er schwingt aus allen Richtungen auf die Cineasten ein und lässt keinen Effekt vermissen. Einfach toll. Dass ein 3D-Erlebnis visuell alle anderen Seherfahrungen in den Schatten stellt, fußt auf meinem persönlichen Empfindungen. Ich finde es unglaublich, dass man technisch einen Effekt herstellen kann, der das Mittendrin so gut vortäuscht.

Was mich aber lächelnd gemacht hat, waren die Effekte, die aus dem 3D ein 4D machen sollten. Fällt der Panda ins Wasser, gibt es für die Zuschauer eine Dusche von oben. Feuert eine Kanone ihre Ladung ab, steigt plötzlich eine kleine Rauchwolke im Raum auf. Lustig. Hätte ich jetzt nicht wirklich gebraucht. Aber ich war fasziniert, dass das alles technisch machbar war. Menschen, die sich so was ausdenken, haben früher bestimmt in der Schule die uninteressanten Momente überbrückt. Und das garantiert mit einem Daumenkino ohne Tonspur. Da sind langweilige Lehrstoffe dann doch nützlich.




Donnerstag, 14. Juli 2011

Atomare Teilchen

Foto: Uwe Hauth


Lieber Leser,


Ich habe mich gestern so dermaßen an einem Möbel gestoßen, dass ich den größten Teil des Tages mit lesen verbracht habe. Ich hatte einfach keine Lust, noch weitere Risiken einzugehen und hab auf jedwede Bewegung erst mal verzichtet. Und wenn man schon mal kein Analphabet ist, dann sollte man das auch genießen. In Deutschland sind immerhin 4% der Menschen mit diesem totalen Unvermögen des Lesens oder Schreibens gestraft. Allein dass ich nicht dazu gehöre, stimmt mich fröhlich. Nun kommt es darauf an, was man liest. Eine Bildzeitung, die sich thematisch darüber auf Seite eins auslässt, ob Sky du Mont seine Samenkapseln rasiert oder nicht, vermittelt jetzt zwar kein nützliches Wissen. Aber es unterhält.

Ich habe mich mit Materie beschäftigt. Woraus bin ich und wenn ja, warum sind so viele Fettzellen dabei? Dabei habe ich mein Schulwissen aufgefrischt. Wir bestehen aus Atomen. Das ist erst mal keine Neuigkeit. Gut, der ein oder andere wird jetzt sagen „Echt?“ oder „Ist doch egal, Hauptsache die Leber ist in Ordnung.“ Was mich dabei fasziniert hat ist die Tatsache, dass da so viel Bewegung drin ist. Um den Atomkern rasen Elektronen. Auch wenn ich ruhig sitze und lese. Die haben zu tun. Immer um den Kern. Wenn sie das nicht machen würden, dann fielen sie auf den Atomkern und dann wäre Ruhe. Aus die Maus. Mal angenommen, man würde ein Wasserstoffatomkern auf den Durchmesser von 10 Millimeter vergrößern, dann würden das Elektronenteilchen von der Größe eines Sandkornes in einem Abstand von 100 Metern Entfernung mit annähernder Lichtgeschwindigkeit um den Kern rasen. Einhundert Meter nichts. Und dann zehn Millimeter Atomkern. Heißt also, wir bestehen zu 99,9999 Prozent aus nichts. Was ist denn dann dazwischen? Wenn ich über den Alexanderplatz schaue und beobachte, was zwischen mir und 100 Metern Abstand alles so los ist, dann kann ich mir nur schwer vorstellen, dass in meinen Atomen so viel freier Raum existiert. 

Mal ehrlich – wenn da so viel nichts in der Materie ist, warum hat das dann so weh getan, als meine Materie Schienbein mit der Materie Tischkannte kollidierte? Das muss mir jemand mal erklären. Oder ich lese einfach weiter. Irgendwo wird es schon stehen. Vielleicht auf Seite zwei der Bildzeitung.

Genieße den Tag, sagt Michael




           

Mittwoch, 13. Juli 2011

Frisches Wild

Fot: Uwe Hauth



Lieber Leser,

Kürzlich erreichte mich eine Dorfdepesche. Einem ausgewählten Abnehmerkreis wurde Wildschwein feilgeboten. Der ansässige Jäger hat bei der Bestandsregulierung Überschüsse erwirtschaftet und wollte das gegen ein sehr schmales Handgeld aus seiner Asservatenkammer wälzen. Natürlich habe ich mich beteiligt. Dem Wild war bereits das Fell entfernt worden. Auf jägerisch nennt man dies „Das Schwein hat die Jacke aus.“

Die Wilddichte im Barnimer Urstromtal ist hoch. Ich selbst begegne nahezu täglich Wildschweinen im Wald. Sie unterscheiden sich von den Waldschweinen darin, dass sie keinen Müll hinterlassen, wenn sie mal eine Lichtung besudelt haben. Die Wildbestandsregulierung ist keine so einfache Sache. Man darf nicht einfach jedes Schwein niedermachen, was einem vor die Flinte kommt. Trifft man das Leittier der Rotte, so werden die jüngeren Tiere schneller geschlechtsreif und sorgen für mehr Nachwuchs. Das ist wiederum nicht so gut für den Wald. Was man alles so lernt, wenn man mal ein par Pfund Wildschwein kauft.

Jedenfalls hatte ich gestern ein Wildschweinbein auf dem Tisch. Ich wollte es marinieren. Leider verfügt unser Haushalt über keinerlei Gefäße, wo so ein Körperteil hinein passt. Also habe ich es zerlegt. Was für eine Arbeit! An alle Fleischereifacharbeiter: Hut ab vor dem, was ihr da könnt. Ich bin auch noch Bestandteil eines Vegetarierhaushaltes. Da gibt es nur Brot- und Gemüsemesser. Ich brauchte aber ein Filetiermesser. Und einen Filetierhandschuh. Hab ich alles nicht. Nach 40 Minuten war ich völlig erschöpft. Die Küche voller Blutlachen. Ich kann Vegetarier verstehen. Und an den meisten Tagen im Jahr bin ich ja selber einer. Das tote Bein hatte ich einigermaßen skelettiert. Jetzt liegt es in der Marinade.

Was macht man mit dem Knochen? Ich habe ja einen großen Hund. Dem habe ich das angeboten. Doch der ist inzwischen so nachhaltig auf Industriefutter konditioniert, dass er das einfach liegen gelassen hat. So weit ist es also schon mit unseren animalischen Begleitern. Ich bin froh, dass der Jäger nicht zuerst unseren Hund gefragt hat. Der hätte die Keule dankend abgelehnt.

Weidmannsheil, sagt Michael

Wurst essen ist schlimmer

Dienstag, 12. Juli 2011

Autonomie

Foto: Uwe Hauth


Lieber Leser,


Gestern habe ich einen Freund besucht. Ich kenne ihn schon ewig. Zufällig wohnt er nicht weit von mir entfernt. Was ihn mit mir verbindet: ein gemeinsam absolviertes Musikstudium. Was ihn von mir unter anderem unterscheidet: der Drang zu absoluter Autonomie.

Mein Leben ist ein Dasein voller Abhängigkeiten. Ich brauche die Wasserwerke, um mir einen Tee zu kochen. Strom kommt auch von außen. Zwei Solarmodule auf dem Dach reichen nur für ein bisschen Badewasser. Ich hab es noch nicht mal ausgerechnet, wie viel das überhaupt bringt. Die Wärmeversorgung ist Erdgasorientiert. Nur die Luft, die habe ich umsonst. Ganz anders mein Freund Alex. Das Haus hat er größtenteils alleine gebaut. Neben seinem Job als Musiker. Wasser zieht er aus dem Brunnen auf seinem Grundstück. Die Größe des Areals erlaubt es, eine fette Fläche mit Solarzellen aufzustellen. Die Einnahmen daraus verbaut er im nächsten Frühjahr. Dann verdoppelt er die Leistung seines grundstückseigenen Kraftwerkes und lässt zusätzlich auch noch eine Wärmeversorgung installieren, die ihre Energie aus der Luft bezieht. Dann hat er die selbst verbrauchte Energie zum Nullkostenpreis.

Der kleine Gemüsegarten an der wettergeschützten Seite des Hauses lässt auch auf Ansätze der Eigenversorgung mit Naturalien erkennen. Dagegen komme ich mir vor wie ein Zivilkrüppel. Ohne den Edeka-Markt im Nachbarort hätte ich schon den Hungertod erlitten. Wenn es mal hart auf hart kommt, kann er bestimmt länger überleben als alle anderen in der Region. Ich würde mich nicht wundern, wenn er demnächst Nutztiere einzäunt, um eine Grundversorgung mit unbelasteten Proteinen für seine Familie abzusichern. Was andere auf Facebook oder anderen Plattform leblos digital mit ein par Mausklicks spielen, hat er dann in 3D in echt erschaffen.

Toll. So viel Autonomie, das bewundere ich. Aber in einem Punkt bin ich aber dann doch erleichtert. Wenn er jemanden zum Quatschen braucht, dann ruft er an. Da ist er halt nicht so autonom. Gott sei Dank. 

Einen schönen Tag wünscht Michael

Coole Anlage - Solarenergie direkt vom Hersteller...

Montag, 11. Juli 2011

Figurprobleme

Foto: Uwe Hauth



Lieber Leser,

„Probier doch mal den Kartoffelsalat. Der ist richtig gut.“ Gestern auf dem Grillabend bei Freunden mit weitem Blick über die Barnimer Landschaft – essen mit dem Wissen, was passieren wird. Steak und Kartoffelsalat. Beides sehr lecker. Zusammen wirkt das leider nicht so gut wie es schmeckt. Denn in meinem Alter geht der Körper mit Mischkost anders um als früher. Leider, muss man sagen.

Wenn man etwas nicht will, dann ist es körperlichen Verfall. Das ganzheitliche Welken ist aber leider Bestandteil des biologischen Programms. Jungbleiben gehört da bedauerlicherweise  nicht zu den Gaben, derer man sich zeitlebens erfreuen kann. Was folgt nach der Aufbauphase, in der sich der Körper ins Leben bäumt und straff seine Muskelstränge durch Raum und Zeit katapultiert? Ein schleichender Versackungsprozess. Bei gleichbleibender Nahrungsaufnahme allmählich andere Ergebnisse – eine unschöne Formel. Irgendwann beschließt nämlich so ein Organteam, einen bestimmten Anteil der eingeschobenen Nahrungsmenge nicht mehr abzubauen sondern in eigens dafür aufgestellten Fettzellen nachhaltig einzulagern. Und dann sieht man plötzlich anders aus.

Ob Reiterhosen oder Bierplauze, Fettzellen sind eigenwillig und folgen bei ihrer Aufstellung einem Plan, der grundsätzlich immer mit dem Schönheitsideal des Körper-Users im Widerspruch steht. Eine gleichmäßige Verteilung großflächig unter der Haut – da würden 20 Kilo Übergewicht überhaupt nicht auffallen. Und sicher würde dadurch ein Auskühlen bei winterlichen Schwimmsportaktionen erheblich verlangsamt. Aber nein, statt dessen hängt das Zeug wie eine Bleischürze über dem Schambein und erschwert den Zugang zum Rotlichtviertel. Oder es verbeult die Seitenlinie auf Hüfthöhe und verwulstet das Breitenmaß. Ganz zu schweigen von der Nackenrolle oder dem Truthahnbeutel unter der Kinnlade.

Pfiffige Zeitgenossen erkennen den Trend rechtzeitig und steuern dagegen. Meistens mit Sport. Das hilft, verändert aber nicht die Tendenz. Da steht man dann den Rest seines Lebens auf dem Laufband und verbrennt Fettzellen. Die willensstarken modifizieren gleichzeitig ihr Essverhalten. Alles was im Körper zu unerwünschten Fettzellen verbaut wird, fliegt vom Speiseplan. Das muss man erst mal lernen, wenn man zum grillen eingeladen wird. Trennkost - entweder Steak oder Kartoffelsalat. Eine Ameise hat das Problem nicht. Immer eine Top-Figur und dabei kann sie noch das vierzigfache ihres Körpergewichts schleppen. Wow. Tauschen möchte ich trotzdem nicht.

Mahlzeit, sagt Michael



Samstag, 9. Juli 2011

Die Hängematte

Foto: Markus Wiese


Lieber Leser, 

irgendwann hatten wir sie mal gekauft. So eine Hängematte. Bunt gestreift. Rot, Gelb, Orange. Grün war auch drin. So ganz genau kann ich die Farben leider nicht mehr aufzählen. Und das hat einen ganz bestimmten Grund. Farbenblindheit ist es jedenfalls nicht.

Ich erinnere mich noch ganz genau an den Moment der Geld-gegen-Ware-Übernahme. Das sind so Einkäufe, bei denen man sich automatisch toll fühlt. Weil man die Drittewelt-Handwerker bildlich vor sich sieht, welche das Produkt auf den Fingerspitzen der unverschuldeten Armut aus den Heimischen Rohstoffen geschabt, gesponnen, verwebt und gefärbt haben müssen. Solche Läden sind ja meistens voll mit Devotionalien aus den Ländern, deren Kolonialwaren unsere Wohlstandsbunker schmücken sollen. Kindsgroße Holzfiguren mit langgezogenen Dämonenfratzen, wackelige Schubkastentürme, bei denen sich nach 6 Wintermonaten krügerrandgroße Verschwindespalten auftun. Oder flochtgesponnener Wandschmuck aus Besatzerarmeebeständen alter Paketschnur, in denen sich sehr gerne Weberknechte aufhalten, wenn man mal 12 Stunden nicht mit dem Staubwedel rüber gehuscht ist. Zeug halt, was Atmo schafft.

Und diese besagte Hängematte aus irgend einer wirtschaftlich aufstrebenden Region der Marke Regenbogen hing über Nacht zwischen zwei extra dafür über Jahrzehnte hochgewachsenen Grundstückskiefern. Es meiner Trägheit verdankend sog der Stoff in den Morgenstunden einen Regenguss auf. Das ist nicht schlimm. Der folgende Tag war mit Sonne durchsotten und jeder Achtklässler weiß: das verdunstet wieder. Frauen sind da oft anderer Meinung und holen das Teil vor dem Regen rein. Den meisten Männern ist so was wurscht. Die kennen sich halt mit den physikalischen Gesetzen aus.

Der Spätnachmittag nahte. Ich verschalte mich anlassfrei aus purer Lust am Leben mit einem schneeweißen Outfit. Leichter Sommerdress. Hose, Hemd mit schönen Seidenmustern – ist wahrscheinlich auch irgendwo auf der anderen Seite des Erdballs mundgeklöppelt worden. Egal, es sah toll aus. Kann ja sein, die Paketbotin kommt, da will man halt nicht in einer Assi-Kutte da stehen. Als ich mich in diese Hängematte legte, war die Restfeuchte schon noch spürbar. Nicht sehr angenehm. Aber die Sonne schien. Was soll’s, die Physik wird es schon richten.  Nach 5 Minuten fühlte ich mich dann aber doch, als hätte ich einen nassen Badeanzug an und stand wieder auf. Erst jetzt merkte ich, dass der Regen alle Farben zu einer einzigen verwaschen hatte. Alles hatte jetzt so einen rotstichigen Ockerton. Die Matte sah farblich aus wie ein schmutziger Kneipenboden einer Strandbar. Also nicht farbecht, der Hängeschrott. Was will man auch erwarten. Ist ja ein Entwicklungsland. Und waschfeste Farbe wird da ja erst noch entwickelt. Alles nicht schlimm, sieht sie halt nicht mehr aus, die Hängematte.

Was mich dann doch noch zu einem leichten Ärger inspiriert hat, war das Erscheinungsbild meines einst schneeweißen Outfits. Das hatte ich mir nämlich ruck zuck in nur 5 Minuten abhängen mit all den Hängemattenfarben gebatikt. Geschieht dem Kolonialherren recht, denkt sich der Hersteller. Dabei hatte ich beim Einkaufen so ein positives Gefühl. Schade.

Frohes abhängen wünscht Michael